Verfolgung einer Sinti-Familie
Scheidturm – Geheimer Treffpunkt des Widerstands
Der Scheidturm als Treffpunkt
Der Schneidturm in Würzburg diente den Georgspfadfindern bis 1936 als versteckter Treffpunkt. Ihr Raum befand sich im Obergeschoss des Turms und war nur durch die Garage eines Schreinermeisters erreichbar, der die Pfadfinder unterstützte und den Schlüssel aufbewahrte.
Dort konnten sie sich trotz der Überwachung durch die Nationalsozialisten weiterhin regelmäßig treffen. Am 9. Juli 1936 wurde das Versteck jedoch verraten und von der Gestapo durchsucht. Dabei wurden verbotene christliche Schriften und ein Vervielfältigungsapparat gefunden.
Der Scheidturm ist ein verbliebener Teil der mittelalterlichen Vorstadtbefestigung. Er diente unter anderem als Kerker für Schwerverbrecher und später als Frauengefängnis.
Widerstand der katholischen Pfadfinder St. Georg in Würzburg
Die katholischen Georgspfadfinder (DPSG) in Würzburg widersetzten sich in der Zeit des Nationalsozialismus vor allem dadurch, dass sie ihre Gemeinschaft und ihre christliche Jugendarbeit trotz staatlicher Verbote weiterführten. Die Gestapo beobachtete ihre Treffen und Gottesdienste; selbst das Tragen der Pfadfinderkluft war verboten. Dennoch trafen sich die Pfadfinder weiterhin, unternahmen Fahrten und hielten Kontakt zu anderen Gruppen. Sie verbreiteten außerdem verbotene christliche Schriften und Rundbriefe.
Das Bild zeigt Fred Joseph und seine Pfadfinder von der DPSG
Beispiele – „Illegaler“ Aktionen
Die Bayerische Staatsregierung hat bereits (katholischen) Jugendgruppen verboten, ihre traditionelle Kleidung (unter anderem kurze Hose) zu tragen. Deshalb werden die großen Treffen verschiedener Pfadfindergruppen nach Baden ins Taubertal, in der Nähe von Würzburg, verlegt. Die Gruppe um Fred beschließt, mit dem Fahrrad dorthin zu fahren. Ihre Pfadfinder-Kleidung ist in Waschpulver-Kartons versteckt und an die Räder angebunden. Unmittelbar nach dem Grenzübertritt von Bayern nach Baden halten sie an, um sich umzuziehen.
Oft, wenn der junge Leiter Fred Joseph eine Nachtschicht in der Apotheke hat, kommen die anderen Mitglieder der Pfadfindergruppe zu ihm, um zusammenzusitzen und die ganze Nacht zu diskutieren.
Sie verteilen regelmäßig z.B. die verbotenen Hirtenbriefe. 1936 erhält Fred von einem Pastor auch die Aufgabe, sich im Raum Würzburg um die Anwerbung neuer Mitglieder zu kümmern.
Da sie sich gegenseitig kennen, schließt sich die Gruppe manchmal den (illegalen) Aktivitäten der katholischen Jugend an.
In dieser schwierigen Zeit schreiben Fred und seine Freunde auch Rundbriefe, um mit den anderen Pfadfindergruppen in Würzburg in Kontakt zu bleiben. Diese illegalen Flugblätter enthalten (religiöses) Material und Berichte über ihre Erfahrungen und Reisen.
Festhalten am Glauben und Gemeinschaft als Widerstand
Der Widerstand der Würzburger Georgspfadfinder bestand damit weniger in spektakulären politischen Aktionen als im bewussten Festhalten an einer eigenständigen katholischen Jugendgemeinschaft, ihren Werten und Aktivitäten entgegen den Vorgaben des NS-Staates.
sie haben uns Verräter genannt
sie haben Gesetze gemacht und verletzt
und haben uns in die Kerker verbannt
nur weil wir Treue hielten.
Tagebucheintrag von Fred Joseph 1941
Fred Joseph
Eine zentrale Persönlichkeit dieses Widerstands war Fred Joseph, der die Würzburger Pfadfinder leitete. Sein Wohnhaus befand sich in der Bibrastrasse 2½ in Würzburg.
Im Juli 1936 durchsuchte die Gestapo ihren Treffpunkt im Würzburger Scheidturm und fand dort verbotene christliche Flugblätter sowie einen Vervielfältigungsapparat. Joseph und weitere Pfadfinder wurden daraufhin verhört. Trotz der Repressionen hielten sie an ihrer Gemeinschaft fest.
und tauche in ihr unter.
erkenn die not – spür deine kraft.
steh fest im sturm! trotz seiner macht!
Angriff durch die Hitler-Jugend
Nach einer heimlichen Kranzniederlegung an Allerheiligen 1936 wurden Pfadfinder von Mitgliedern der Hitlerjugend überfallen und geschlagen. Fred Joseph beschreibt den Angriff der ‚Hitler Jugend‘ am 1. November 1936 mit seinen Worten:
„In der Ludwigstraße fuhr einer unserer Leute, den ich aber nicht kannte, mit einem Fahrrad an mir vorüber und sagte, dass an der Grombühlbrücke drei Leute von uns überfallen worden seien. Ich kehrte um und ging sofort dorthin. Am Ausgang der Ludwigstraße traf ich Gerber. Wir gingen zusammen in Richtung Grombühlbrücke. Da kamen 2 oder 3 Mann auf mich zugesprungen und schlugen […] [schreiend] auf mich ein. Ich wehrte mich, es kamen aber immer mehr Leute, die auf mich einschlugen, so dass ich zu Boden stürzte. Ich wurde auf die Wache nach Grombühl geführt …“
Inhaftierung und Ermordung
Fred Joseph wurde nach diesen Vorfall etwas später mehrere Wochen inhaftiert und 1937 verurteilt.
„Immer mehr sehe ich ein, wie recht ihr beide hattet. Wer nicht hören will – Ich habe mich für andere eingesetzt und wie ihr immer sagtet – keiner setzt sich für mich ein. Jetzt muss ich halt die eingebrockte Suppe auffressen.“
Brief an seine Eltern während seiner Haftstrafe
Auch nach seinem Wegzug aus Würzburg setzte Joseph die verbotene Pfadfinderarbeit fort. 1942 wurde er erneut von der Gestapo festgenommen und nach Auschwitz deportiert. Als Begründung nannten die Nationalsozialisten die „Weiterführung einer verbotenen Organisation“ und die Jugendarbeit „gegen den Staat“. Am 21. Januar 1943 starb Fred Joseph in Auschwitz.
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