Ideen, Methoden und Handreichungen für das Themenfeld KI.
Datenschutz in der Jugendarbeit zum Thema machen
Inhaltsverzeichnis
Was ist überhaupt Datenschutz?
Das Bundesverfassungsgericht leitete 1983 im Volkszählungsurteil das Recht auf informationelle Selbstbestimmung aus dem Grundrecht auf Persönlichkeitsentfaltung (Art. 2 Abs. 1 GG) in Verbindung mit der Menschenwürde (Art. 1 Abs. 1 GG) ab. Das bedeutet knapp formuliert:
Menschen sollen selbst entscheiden können, welche persönlichen Daten über sie bekannt werden und wofür sie genutzt werden.
Ohne rechtliche Regeln wären persönliche Daten noch leichter für Überwachung, Diskriminierung oder andere Eingriffe nutzbar; Gesetze begrenzen diese Risiken, schaffen Kontrollmechanismen und bieten Betroffenen Rechte, reduzieren sie aber nicht vollständig. In der Praxis bestehen trotzdem Lücken: mächtige Firmen, staatliche Überwachungsprogramme und Schlupflöcher in der Umsetzung können Schutzvorgaben schwächen. Datenschutz schafft also wichtige Schranken und Werkzeuge, aber ihr wirksamer Schutz hängt von Durchsetzung, Transparenz und politischem sowie technischem Gegensteuern ab.
Für die Jugendarbeit heißt das konkret: nur notwendige Informationen sammeln, transparent informieren, Einwilligungen einholen (bei Minderjährigen ggf. ihrer Eltern) und Daten sicher verwalten — die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und nationale Gesetze (BDSG) geben den rechtlichen Rahmen vor. Ebenso wichtig ist es aber auch, Kinder und Jugendlichen die Bedeutung von Datenschutz näher zu bringen. Wissen ist Macht!
Was ist Datenschutz – kurz und prägnant als Video:
https://diler.tube/w/cySaaFeh2edTf2rrjsnzrz
Nützliche Tipps für Veranstaltungen

Bild KI generiert: GPT Image 2, 29.05.2026
- Minimalprinzip: Erhebt nur wirklich notwendige Daten, die für das Szenario erforderlich sind.
Für die Datenerhebung braucht es immer eine Grundlage (https://dsgvo-gesetz.de/art-6-dsgvo/) - Transparenz: Informiert klar, warum Daten gesammelt werden, wie lange sie gespeichert werden und wer Zugriff hat (Art. 13 und Art. 14 DSGVO).
- Einwilligungen dokumentieren: Holt schriftliche/elektronische Einwilligungen ein, besonders bei Veröffentlichungen von Bildern Minderjähriger (Einwilligung der Erziehungsberechtigten beachten). Ab 12 Jahren sollte ein:e Kind/Jugendliche:r selbst mitbestimmen können. Ab 16 Jahren darf die Person ihre Einwilligung selbst unterzeichnen.
Muster (ohne Gewähr auf Aktualisierung)
Veröffentlichung und Weitergabe von Ton und Bildaufnahmen - Löschkonzept: Legt Aufbewahrungsfristen fest (gesetzliche Vorgaben beachten) und löscht Daten danach.
- Rechte der Personen: Betroffene haben ein Recht zu erfahren, welche Daten von ihnen verarbeitet werden; Betroffene können falsche Daten korrigieren lassen, unter bestimmten Voraussetzungen die Löschung oder Einschränkung der Verarbeitung verlangen und eine einmal gegebene Einwilligung (z. B. für Fotos) auch wieder zurückziehen. (Alle Rechte s. Art. 12-23 DSGVO).
Wie Datenschutz vermitteln?
Datenschutz muss nicht trocken sein — es geht um ein Grundrecht, das uns alle betrifft.
„Ich hab doch nichts zu verbergen.“ hört man oft.
Würdest du dich auf der Toilette filmen lassen? Möchtest du dein Tagebuch öffentlich teilen? Soll jede:r deine privaten Nachrichten mitlesen?
Wahrscheinlich nicht. Trotzdem vertrauen viele von uns darauf, dass geteilte Informationen privat bleiben — oder dass Unternehmen sie nicht auswerten. Das ist gefährlich leichtsinnig.
Anlasslose Datensammlung verhindert keine Straftaten und Privatheit ist ein legitimes Grundrecht, wofür man sich nicht rechtfertigen muss.
Wie können wir uns also selbst schützen?
Wissen und ein paar Stellschrauben können schon viel bewirken.
Datenschutz mit Kindern thematisieren
- Pixi-Bücher des BfDI zum kostenfreien bestellen und vorlesen (für die ganz Kleinen):
https://www.bfdi.bund.de/DE/Service/Publikationen/Pixi/Pixi_node.html - Ein cooles Augmented-Reality-Game für Kinder zum Thema Datenschutz:
https://krypto-kids.de/ - Geheimnisse: Wem verrate ich was? – Ein Kartenspiel von SIN – Studio im Netz
https://www.studioimnetz.de/wp-content/uploads/2018/02/Anleitung-Geheimnis-Karten.pdf
Datenschutz mit Jugendlichen thematisieren
- Der Privat-o-Mat ist ein Browser-Tool, um anhand von vordefinierten Fragestellungen das aktuelle Datenschutzbewusstsein zu prüfen. Ist natürlich erst mal nur recht oberflächlich, aber ein guter Einstieg, um das eigene Niveau zu reflektieren. https://privat-o-mat.de/
- Alternative Anbieter aufzeigen: Der Digital Independence Day wurde von mehrere Initiativen ins Leben gerufen, um den Marktmonopolen von großen Tech-Firmen einhalt zu gebieten.
Rebellion ist sexy: https://di.day/de - Informationsvideos, wie bspw. zu BigData:
https://diler.tube/w/b656a874-2af8-4862-a559-20413fb9633b

Bild von Pexels: Marina Abrosimova
- Literatur und Filme als Gesprächsanlass nehmen:
| Filme und Serien | Altersempfehlung |
|
Black Mirror (Serie) Verschiedene Dystopien in Zusammenhang mit digitalen Technologien. |
ab 16 Jahren |
|
Equilibrium (Film, 2002) Staatliche Überwachung in einem autokratischen System. |
ab 16 Jahren |
|
Mr. Robot (Serie) Thriller über Hacktivismus, Cybersecurity und Überwachung |
ab 16 Jahren |
|
The Circle (Film, 2017) Fiktion über Firmen‑Überwachung, Transparenzzwang und Privatsphäreverlust. |
ab 12 Jahren |
|
The Social Dilemma (2020) Doku‑Drama über Einfluss von Plattformalgorithmen und Datensammlung. |
ab 12 Jahren |
| Literatur | ISBN |
|
Digitale Mündigkeit Gut verständliches Buch mit Handlungsempfehlungen, um sich selbstbestimmter im Netz bewegen zu können. |
978-3-934636-49-1 |
|
1984 nach George Orwell Die dystopische Zukunft von George Orwell als Comic. |
978-3-95728-468-6 |
|
Little Brother 3-teiliger Jugendroman, der sich mit Privatsphäre in einem Überwachungsstatt befasst. |
978-0-7653-1985-2 |
Eye-Able® visuelle Hilfe