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Best Practice: AG Inklusion

Unserer Reihe "Best-Practice-Beispiele: So geht Inklusion in Unterfranken" ist euer Einblick in inklusive Projekte und Strukturen in der Jugendarbeit. Verschiedene Verbände oder Kreis- und Stadtjugendringe teilen hier ihre Erfahrungen mit euch und zeigen, wie unverkrampft und bereichernd die Jugendarbeit mit allen sein kann.

Dabei geht es um ganz praktische Fragen wie: Wie bekommen Kinder und Jugendliche mit Behinderung mein Angebot mit und welcher Betreuungsaufwand kommt wirklich auf mich zu?

Viel Spaß beim Lesen!

 

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Nächster Termin: dauerhaftes Projekt

Ansprechpartner: SJR Aschaffenburg

Kurze Beschreibung des Projekts

Die AG Inklusion ist eine Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderung aus Aschaffenburg, die sich ehrenamtlich für die Belange von Menschen mit Behinderung engagiert. Das Projekt ist nicht an die Behindertenhilfe angegliedert, dennoch arbeiten wir vertrauensvoll und partnerschaftlich mit der Lebenshilfe Aschaffenburg e. V. und der Lebenshilfe Schmerlenbach e. V. zusammen und profitieren von den guten Kooperationen. Die aktiven Personen verstehen sich als Freund*innen, sie unterstützen sich gegenseitig, so dass Assistenzen o. ä. in der Regel nicht notwendig sind. Wir treffen uns mindestens einmal im Monat, unternehmen Exkursionen in Städte, die beim Thema „Inklusion“ Vorbildcharakter haben, bauen Legorampen, machen Ausflüge z. B. zum Rollstuhlbasketball, nehmen an verschiedenen Veranstaltungen in Aschaffenburg mit eigenen Ständen teil, wie z. B. dem Lebenshilfe Spielefest oder dem Fest für Vielfalt. Obligatorisch ist die gemeinsame Weihnachtsfeier als Dankeschön für das Engagement.

Eine Gruppe sitzt in einem Stuhlkreis zusammen.

 

Was funktioniert in der AG besonders gut?

Ein Lieblingsprojekt der AG Inklusion sind die inklusiven Stadtspaziergänge, die wir mit Studierenden der Fachakademie für Sozialpädagogik (FAKS) machen. Sie dienen zum einen dazu, zukünftige Erzieher*innen für die Belange von Menschen mit Behinderung zu sensibilisieren, Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen zu ermöglichen und auf die Barrieren in der Stadt Aschaffenburg hinzuweisen. Das ist für beide Seiten eine sehr eindrucksvolle Erfahrung. Die gemischten Teams laufen mit einem Fragenkatalog und verschiedenen Hilfsmitteln, wie z. B. Rollstühlen, Rollatoren und Blindenbrillen durch die Innenstadt und erfüllen dabei kleine Aufgaben. Im Anschluss kommen wir zusammen und werten gemeinsam aus. Oft fließen dabei Tränen, da die Studierenden der FAKS so betroffen dabei sind, wie ausgrenzend Stadt und Gesellschaft immer noch für Menschen mit Behinderung sind.

Sieben Personen posieren für das Bild. Zwei davon im Rollstuhl, eine mit Gehhilfe. Drei tragen Sonnenbrillen.

 

Gab es Schwierigkeiten bei der inklusiven Umsetzung? / Wie wird das Projekt von Jugendlichen mit Behinderung angenommen?

Wir haben schon lange mit den beiden Lebenshilfen bei uns im Kreis zusammengearbeitet und uns auf strategischer Ebene für eine Öffnung der Jugendverbandsarbeit und eine inklusivere Stadtgesellschaft eingesetzt. So entstanden gute Kontakte, auf deren Wunsch hin die AG gegründet wurde – also der Bestfall…. Intrinsische Motivation der Teilnehmenden 😉. Was unsere Erfahrung allerdings zeigt, ist, dass viel Geduld und Zeit notwendig sind, um gute und vertrauensvolle Kontakte aufzubauen. Elternarbeit muss ebenfalls Teil der Arbeit sein, um sich als Einrichtung außerhalb der Behindertenhilfe überhaupt platzieren zu können. Die Gruppe ist im Ganzen von Barrieren und Hemmnissen betroffen, die zum Teil nicht planbar sind – kaputte Fahrstühle an Bahnhöfen, defekte Behindertentoiletten, trotz Hinweis auf Gäste im E-Rolli bei der Reservierung im Lokal…

 

Hat dich etwas überrascht? / Worauf bist du besonders stolz?

Wir sind als Gruppe besonders stolz darauf, dass wir eine Gruppe von Freund*innen unter fachlicher Anleitung geworden sind. Jede*r bringt die vorhandenen Fähigkeiten und Kompetenzen ein. Wolfgang kann z. B. nicht lesen und schreiben, hat aber einen ausgeprägten Orientierungssinn, fast schon ein fotografisches Gedächtnis. Wenn wir unterwegs sind, brauchen wir weder Stadtplan noch Navi. Daniel ist ein sehr guter Organisator, er übernimmt gerne Verantwortung für die Gruppe, er ist immer für die Zugfahrten zuständig, kümmert sich um benötigte Umstiegshilfen usw. Birgit ist sehr kommunikativ und selbstbewusst – sie übernimmt Reservierungen und Bestellungen… Diese Fokussierung auf die Potentiale macht besonders viel Spaß und ist gewinnbringend für die ganze AG Inklusion.

 

Warum ist die Arbeit mit Jugendlichen mit Behinderung so gewinnbringend für dich?

In einer schnelllebigen Zeit wie der unseren, ist es sehr entschleunigend. Wir brauchen für alles mehr Zeit. Mit mobilitätseingeschränkten Menschen kann man nicht durch die Stadt hetzen, mit Menschen, die nicht lesen und schreiben können braucht man nicht 20 Whatsapp-Nachrichten, um einen Sachverhalt zu klären. Das erleben wir als sehr wertvollen Aspekt. Wir sind viel mehr im Hier und Jetzt, konzentrieren uns auf das, was wir tun und genießen es, ohne schon gleich wieder etwas anderes zu planen oder zu organisieren. Wir leben in einer vielfältigen Welt, ich bin überzeugt davon, dass Jugend(verbands)arbeit das abbilden muss.

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