Xaver Knaup – Hauptverantwortlicher für das Novemberpogrom
Biografie von Agnes Messelberger
Lebensgeschichte
Die Biografie von Agnes Messelberger zeugt von den grausamen Verbrechen des NS-Regimes im Rahmen der systematischen Krankenmorde („Aktion T4“). Sie lebte in der Würzburger Altstadt, bevor sie aufgrund einer psychischen Erkrankung in Heilanstalten eingewiesen wurde.
Jahrzehnte in der Heilanstalt
Am 9. August 1929 wurde Agnes Messelberger dauerhaft in die unterfränkische Heil- und Pflegeanstalt Werneck aufgenommen. Dort verbrachte sie elf Jahre ihres Lebens, abgeschirmt von ihrem gewohnten Umfeld, bis die Nationalsozialisten im Jahr 1940 die systematische Räumung der Anstalt anordneten.

Deportation
Werneck wurde im Herbst 1940 geräumt, um Platz für andere Zwecke zu schaffen und die Patienten der Vernichtung zuzuführen. Am 6. Oktober 1940 transportierte man Agnes Messelberger zusammen mit zahlreichen anderen Patienten in einem Sammeltransport direkt in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein in Sachsen.
Ermordung in der Gaskammer
Historische Rekonstruktionen zeigen, dass die Transporteure die Menschen unmittelbar nach der Ankunft in die dortigen Vernichtungsanlagen trieben. Es ist davon auszugehen, dass Agnes Messelberger direkt am Tag nach ihrer Abreise, dem 7. Oktober 1940, in Pirna-Sonnenstein mit Kohlenmonoxidgas ermordet wurde.
Die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein
Die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein auf einer Anhöhe über der Elbe in Sachsen war eine der sechs zentralen Vernichtungsstätten der nationalsozialistischen Krankenmorde („Aktion T4“). In der ehemaligen, renommierten Heil- und Pflegeanstalt richteten die Nationalsozialisten im Frühjahr 1940 im Keller eines Lazarettgebäudes eine hocheffiziente, industrielle Mord- und Verbrennungsanlage ein.
Zwischen Juni 1940 und August 1941 tötete das NS-Regime dort rund 13.720 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen sowie psychischen Erkrankungen. Auch die Würzburgerin Agnes Messelberger wurde hierher deportiert.
Foto: Schloss Sonnenstein Haus C16 als Gedenkstätte, Muu-karhu CC BY-SA 3.0
Der tödliche Ablauf der Vergasung
Die Opfer wurden in grauen Bussen angeliefert und Ärzten vorgeführt, die die Identität prüften und eine gefälschte Todesursache für den späteren Totenschein festlegten. Unmittelbar danach trieb das Personal die Menschen in eine als Duschraum getarnte Gaskammer, in die Kohlenmonoxidgas eingeleitet wurde.
Die Spurenvernichtung
Die Leichen wurden in betriebseigenen Koksöfen verbrannt. Um den massenhaften Mord vor den Angehörigen zu vertuschen, verschickte die Anstalt standardisierte „Trostbriefe“ mit fiktiven Sterbedaten und Krankheitsverläufen aus der angeblichen „Heilanstalt Sonnenstein“.
Die Fortsetzung
Nach dem offiziellen Stopp der „Aktion T4“ im Spätsommer 1941 wurden in Pirna-Sonnenstein im Rahmen der „Aktion 14f13“ noch weit über 1.000 Häftlinge aus Konzentrationslagern (darunter Auschwitz, Buchenwald und Sachsenhausen) ermordet, bevor die Gasanlage im Sommer 1942 demontiert wurde.
Die Nahtstelle zum Holocaust
Als die Erwachsenen-„Euthanasie“ der Aktion T4 im August 1941 auf Befehl Hitlers offiziell gestoppt wurde, wurde das in Pirna geschulte Personal nicht entlassen. Stattdessen machten sich die Nationalsozialisten deren „Erfahrung“ im fabrikmäßigen Morden mittels Gas zunutze.
Mindestens 39 Mitarbeiter (etwa ein Drittel des gesamten Sonnensteiner Personals) wurden direkt nach Polen abkommandiert. Sie halfen dort ab 1942 maßgeblich beim Aufbau und Betrieb der drei großen Vernichtungslager der „Aktion Reinhardt“: Belzec, Sobibor und Treblinka. Die dort eingesetzten Gaskammern basierten direkt auf den technischen Entwicklungen und Erfahrungen der T4-Anstalten wie Pirna-Sonnenstein.
Heute ist die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein ein zentraler Ort des Erinnerns an die Opfer der NS-„Euthanasie“.
Aktion T4
Die Aktion T4 war das zentral organisierte NS-Programm zur Ermordung von psychisch kranken und behinderten Menschen. In der Innenstadt finden sich viele Stolpersteine, auf der der Vermerk steht: getötet in der Aktion T4.
Werner Heyde war einer ihrer Haupttäter und handelte zugleich als Würzburger Universitätspsychiater, wodurch die Stadt unmittelbar in diese Verbrechen verstrickt war.
Was war die Aktion T4?
Unter dem Decknamen „Aktion T4“ organisierten die Nationalsozialisten ab 1939/40 die systematische Tötung von Patientinnen und Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten, die als „unheilbar krank“ oder „lebensunwert“ stigmatisiert wurden.
Die Zentrale befand sich in der Berliner Tiergartenstraße 4 (daher wurde die Aktion auch mit T4 abgekürzt), von wo aus Meldebögen ausgewertet, Transportlisten erstellt und sechs Tötungsanstalten mit Gaskammern betrieben wurden (u.a. Grafeneck, Hadamar, Hartheim).
Die Anstalten mussten für ihre Patienten detaillierte Meldebögen ausfüllen; ausgewählte Personen wurden in Zwischen- oder direkt in Tötungsanstalten gebracht und dort mit Kohlenmonoxid vergast und anschließend verbrannt.
Bis zum formellen Stopp der zentralen Aktion T4 im August 1941 fielen allein diesem Teilprogramm etwa 70.000 Menschen zum Opfer, insgesamt kamen im Rahmen der NS-„Euthanasie“ rund 250.000 Menschen ums Leben.
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