Xaver Knaup – Hauptverantwortlicher für das Novemberpogrom
Biografien von Josef Neller und Georg König
Josef Neller und Georg König wurden im Rahmen der systematischen Krankenmorde – der sogenannten „Aktion T4“ – verschleppt und in der Tötungsanstalt Schloss Hartheim ermordet. Ihre Biografien zeigen auf schmerzhafte Weise, wie das NS-Regime das Leben von Menschen mit Behinderung als „lebensunwert“ brandmarkte.

Biografie von Josef Neller
Josef Neller wurde am 11. Oktober 1922 in Würzburg geboren. Er wuchs in der Würzburger Altstadt auf und besuchte acht Jahre lang die lokale Hilfsschule. Seine vertraute Umgebung verlor er im Jahr 1938, als er im Alter von etwa 16 Jahren erstmals in die Psychiatrische Universitätsklinik Würzburg eingewiesen wurde.
Die Odyssee durch die Anstalten
Nach einem nur kurzen Aufenthalt in der Klinik wurde Josef zunächst wieder nach Hause entlassen und dort von seiner Familie versorgt. Doch der Druck des Regimes auf Familien mit behinderten Angehörigen wuchs stetig. 1939 wurde Josef dauerhaft eingewiesen. Er kam zuerst in die Anstalt Reichenbach, im November 1940 folgte die Verlegung in die Heil- und Pflegeanstalt Mainkofen in Niederbayern.
Ermordung in Hartheim
Mainkofen diente zu dieser Zeit als Sammelstelle für die systematischen Deportationen der „Aktion T4“. Am 27. Juni 1941 wurde der erst 18-jährige Josef Neller mit dem „Transport Nr. 4“ in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim bei Linz (Österreich) deportiert. Historische Dokumente legen nahe, dass er noch am selben Tag in der dortigen Gaskammer ermordet wurde.
Sein Stolperstein wurde 2016 vor seinem ehemaligen Wohnhaus in der Kärrnergasse 10 verlegt
Biografie von Georg König
Georg König kam am 23. Mai 1923 zur Welt. Aufgrund seiner geistigen Behinderung wurde er bereits als Kleinkind im Jahr 1926 aus dem elterlichen Umfeld gerissen und verbrachte fast sein gesamtes Leben in verschiedenen Heimen.
Ein Leben in Heimen
Über 14 Jahre hinweg lebte er in der Pflegeanstalt Ecksberg (Oberbayern) sowie in der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar bei München. In den Augen der NS-Bürokratie galt Georg aufgrund seiner Einschränkungen als „nicht arbeits- und erziehungsfähig“. Im Zuge der generalstabsmäßig geplanten Räumungen von Pflegeanstalten geriet auch er im Winter 1940/41 endgültig in die Maschinerie der „Aktion T4“.
Das Schicksal in der Gaskammer
Am 21. Januar 1941 wurde der 17-jährige Georg von Haar aus direkt nach Schloss Hartheim überstellt. Unmittelbar nach der Ankunft des Transports wurde er zusammen mit den anderen Patienten getötet.
Im April 2024 wurde für Georg König ein Stolperstein an seinem Wohnort in der Kettengasse 16 gesetzt.

Die Tötungsanstalt Hartheim
Das unweit von Linz (Österreich) gelegene Schloss Hartheim gilt als einer der dunkelsten Orte der NS-Krankenmorde. Zwischen Mai 1940 und Dezember 1944 bauten die Nationalsozialisten das Renaissance-Schloss in eine hocheffiziente Tötungsanstalt um.
Es wurde zu einer der insgesamt sechs zentralen Vernichtungsstätten der sogenannten „Aktion T4“ – dem systematischen Massenmord an Menschen mit geistigen, psychischen oder körperlichen Behinderungen.
Foto: Liberaler Humanist, CC BY-SA 3.0
Fabrikmäßiger Mord im Schloss – Die Gaskammer
Die Tötungsmaschinerie im Schloss war von bürokratischer Kälte geprägt. Im Erdgeschoss des Schlosses wurden eine als Duschraum getarnte Gaskammer sowie ein Krematorium mit zwei Verbrennungsöfen installiert. Die Opfer – darunter auch die Würzburger Jugendlichen Josef Neller und Georg König – wurden in grauen Bussen angeliefert und meist noch am selben Tag mit Kohlenmonoxidgas ermordet.
Aktion 14f13
Nach dem offiziellen Stopp der „Aktion T4“ im August 1941 töteten die Mediziner und das Pflegepersonal in Hartheim im Rahmen der „Aktion 14f13“ weiter. Nun wurden auch tausende kranke oder arbeitsunfähige Häftlinge aus den Konzentrationslagern Mauthausen, Gusen und Dachau dorthin transportiert und vergast.
Insgesamt fielen dem NS-Regime in Schloss Hartheim rund 30.000 Menschen zum Opfer.
Heute ist das Schloss eine offizielle Lern- und Gedenkstätte, die an den organisierten Mord erinnert und den Opfern ihre Würde und ihren Namen zurückgibt.
Aktion T4
Die Aktion T4 war das zentral organisierte NS-Programm zur Ermordung von psychisch kranken und behinderten Menschen. In der Innenstadt finden sich viele Stolpersteine, auf der der Vermerk steht: getötet in der Aktion T4.
Werner Heyde war einer ihrer Haupttäter und handelte zugleich als Würzburger Universitätspsychiater, wodurch die Stadt unmittelbar in diese Verbrechen verstrickt war.
Was war die Aktion T4?
Unter dem Decknamen „Aktion T4“ organisierten die Nationalsozialisten ab 1939/40 die systematische Tötung von Patientinnen und Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten, die als „unheilbar krank“ oder „lebensunwert“ stigmatisiert wurden.
Die Zentrale befand sich in der Berliner Tiergartenstraße 4 (daher wurde die Aktion auch mit T4 abgekürzt), von wo aus Meldebögen ausgewertet, Transportlisten erstellt und sechs Tötungsanstalten mit Gaskammern betrieben wurden (u.a. Grafeneck, Hadamar, Hartheim).
Die Anstalten mussten für ihre Patienten detaillierte Meldebögen ausfüllen; ausgewählte Personen wurden in Zwischen- oder direkt in Tötungsanstalten gebracht und dort mit Kohlenmonoxid vergast und anschließend verbrannt.
Bis zum formellen Stopp der zentralen Aktion T4 im August 1941 fielen allein diesem Teilprogramm etwa 70.000 Menschen zum Opfer, insgesamt kamen im Rahmen der NS-„Euthanasie“ rund 250.000 Menschen ums Leben.
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