Kreisleitung der NSDAP
Xaver Knaup – Hauptverantwortlicher für das Novemberpogrom
In der Ludwigstraße 3 befand sich die politische Leitung des Kreises Würzburg mit diversen Ämtern. Der Kreisleiter Xaver Knaup führte von hier aus die gesamte Würzburger NSDAP-Struktur. Von hier aus steuerte er die politische Überwachung, rassistische Hetzkampagnen und die Gleichschaltung der Würzburger Vereine und Verbände.
Xaver Knaup – NSDAP-Kreisleiter von Würzburg
Franz Xaver Knaup war eine der zentralen politischen Führungsfiguren des Nationalsozialismus in Würzburg. Er gilt als Paradebeispiel für einen radikalen, ideologisch gefestigten Funktionsträger des NS-Regimes. 1936 bis 1943 amtierte er als NSDAP-Kreisleiter von Würzburg und war zeitgleich SA-Obersturmbannführer sowie Reichstagsabgeordneter.
Als politischer Chef der Stadt lenkte er maßgeblich die Durchsetzung der NS-Ideologie vor Ort und trug die Hauptverantwortung für die antisemitischen Ausschreitungen im Herbst 1938.

Anführer der Novemberpogrome in Würzburg
Während der von der NS-Führung orchestrierten Novemberpogrome vom 9. auf den 10. November 1938 liefen bei Knaup als Kreisleiter alle Fäden für die Terroraktionen in Würzburg zusammen.
Nachdem am Abend des 9. November die Parole zur Zerstörung jüdischer Einrichtungen aus München ausgegeben worden war, gab Knaup den direkten Befehl an die örtlichen Gliederungen der SA, SS und der Hitlerjugend weiter, in Würzburg „Aktionen“ durchzuführen.
Unter Knaups politischer Verantwortung drangen Trupps in die Hauptsynagoge in der Domerschulstraße ein. Die Inneneinrichtung und die Fenster wurden komplett zertrümmert, die wertvollen Kultgegenstände geschändet und geplündert. Nur aufgrund der engen Altstadtbebauung wurde das Gebäude in dieser Nacht nicht sofort niedergebrannt, um Großbrände in der Nachbarschaft zu verhindern.
Unter seiner Führung wurden jüdische Geschäfte und Kaufhäuser (u. a. in der Semmelstraße, Eichhornstraße und Domstraße) systematisch demoliert und geplündert. Jüdische Bürgerinnen und Bürger wurden mitten in der Nacht aus den Betten gerissen, gedemütigt und schwer misshandelt.
Infolge der brutalen Ausschreitungen in dieser Nacht verloren in Würzburg vier Menschen ihr Leben. Zudem wurde die anschließende Massenverhaftung jüdischer Männer und deren Deportation in das Konzentrationslager Buchenwald maßgeblich durch die politische Infrastruktur von Knaups Kreisleitung logistisch unterstützt.
Xaver Knaup war beim Novemberpogrom in Würzburg kein passiver Zuschauer, sondern der politische Initiator und Koordinator. Er nutzte seine uneingeschränkte Macht als Kreisleiter, um den rassistischen Hass der Nationalsozialisten in eine konkrete Welle verheerender Gewalt umzusetzen.
Verhaftung und Ermittlungen nach 1945
Nach dem Kriegsende wurde Knaup von den alliierten Behörden festgenommen und in Arrest genommen, der für hochrangige Funktionäre der NSDAP und der SA vorgesehen war. Es folgten langwierige Untersuchungen zu seiner Rolle im NS-Terrorapparat, insbesondere bezüglich seiner Zeit als Würzburger Kreisleiter.
Im Jahr 1950 musste sich Xaver Knaup vor dem Würzburger Schwurgericht verantworten. Gegenstand des Verfahrens waren seine Taten aus seiner Würzburger Amtszeit, insbesondere seine führende Rolle bei den Ausschreitungen und Gewalttaten der Reichspogromnacht im November 1938.
Im August 1950 wurde Knaup schuldig gesprochen. Das Gericht verurteilte ihn wegen eines Falls von schwerer Freiheitsberaubung (aus dem Jahr 1940) sowie seiner Beteiligung an den Pogromen zu einer nur dreijährigen Haftstrafe.
Knaup musste die Haftstrafe jedoch nicht mehr vollständig verbüßen. Nur wenige Monate nach der Urteilsverkündung verstarb er am 21. November 1950 im Alter von 57 Jahren in Würzburg an einem Herzschlag.
Weitere Informationen
- Artikel von Wolfgang Proske: Ein nationalsozialistischer Entwicklungshelfer: der Würzburger Kreisleiter Xaver Knaup, aus: Täter Helfer Trittbrettfahrer, Bd. 19: NS-Belastete aus Unterfranken von Wolfgang Proske (Herausgeber).
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