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Karl Neubauer – Ein Opfer der der Aktion T4

Das Schicksal des jungen Würzburgers Karl Neubauer steht stellvertretend für die schwächsten Opfer des Nationalsozialismus: Kinder, die aufgrund einer geistigen oder körperlichen Behinderung im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ und der dezentralen „Kindereuthanasie“ systematisch ermordet wurden.

Bild von Karl Neubauer und sein Stolperstein

Foto von Karl aus seiner Krankenakte

Leben in Heimen

Karl wurde am 16. November 1929 geboren. Aufgrund seiner Behinderung verbrachte er fast sein gesamtes kurzes Leben in verschiedenen Pflegeheimen und Anstalten. Im Jahr 1940 wurde er zunächst in die unterfränkische Heil- und Pflegeanstalt Lohr eingeliefert.

Deportation in die Kinderfachabteilung

Im Oktober 1941 verschleppte man den Zwölfjährigen in die neu errichtete „Kinderfachabteilung“ der Anstalt Eglfing-Haar bei München.

Die Kinderfachabteilungen dienten unter dem Deckmantel medizinischer Fürsorge als getarnte Sterbestationen. Hier wurden geistig und körperlich behinderte Kinder gezielt umgebracht.

Im Dezember 1941 fällte der dortige Arzt das menschenverachtende Urteil über das Kind: „Das Kind […] bietet keinerlei Aussicht auf Arbeits- und Erziehungsfähigkeit.“

Die Ermordung

Im März 1942 wurde Karl in die berüchtigte Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee verlegt. Dort wurde er am 12. Mai 1942 im Alter von nur 12 Jahren gezielt getötet. Die Tötung in diesen Abteilungen erfolgte meist qualvoll durch den systematischen Entzug von Nahrung oder die Verabreichung tödlicher Medikamentendosen.

Nach seinem Tod wurde sein Gehirn noch zu medizinischen „Forschungszwecken“ missbraucht.

Um den grausamen Massenmord vor den Angehörigen und der Öffentlichkeit zu verschleiern, gaben die Ärzte im offiziellen Totenschein die gefälschte Diagnose einer „krüppösen Pneumonie“ (Lungenentzündung) an.

Heute erinnert in der Würzburger Altstadt vor dem Haus in der Bronnbachergasse 6 ein Stolperstein an Karl Neubauer.

Aktion T4

Die Aktion T4 war das zentral organisierte NS-Programm zur Ermordung von psychisch kranken und behinderten Menschen. In der Innenstadt finden sich viele Stolpersteine, auf der der Vermerk steht: getötet in der Aktion T4. 

Werner Heyde war einer ihrer Haupttäter und handelte zugleich als Würzburger Universitätspsychiater, wodurch die Stadt unmittelbar in diese Verbrechen verstrickt war.

Was war die Aktion T4?

Unter dem Decknamen „Aktion T4“ organisierten die Nationalsozialisten ab 1939/40 die systematische Tötung von Patientinnen und Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten, die als „unheilbar krank“ oder „lebensunwert“ stigmatisiert wurden.

Die Zentrale befand sich in der Berliner Tiergartenstraße 4 (daher wurde die Aktion auch mit T4 abgekürzt), von wo aus Meldebögen ausgewertet, Transportlisten erstellt und sechs Tötungsanstalten mit Gaskammern betrieben wurden (u.a. Grafeneck, Hadamar, Hartheim).

Die Anstalten mussten für ihre Patienten detaillierte Meldebögen ausfüllen; ausgewählte Personen wurden in Zwischen- oder direkt in Tötungsanstalten gebracht und dort mit Kohlenmonoxid vergast und anschließend verbrannt.

Bis zum formellen Stopp der zentralen Aktion T4 im August 1941 fielen allein diesem Teilprogramm etwa 70.000 Menschen zum Opfer, insgesamt kamen im Rahmen der NS-„Euthanasie“ rund 250.000 Menschen ums Leben.

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