Xaver Knaup – Hauptverantwortlicher für das Novemberpogrom
Biografie von Theodor Drechsler
Der Stolperstein für Theodor Drechsler befindet sich im Herzen der Würzburger Altstadt direkt am Marktplatz 3. Seine Biografie zeugt vom Schicksal eines jungen Menschen, der aufgrund einer psychischen Erkrankung oder geistigen Behinderung in die Maschinerie der nationalsozialistischen Krankenmorde („Aktion T4“) geriet.
Kindheit in Würzburg
Theodor Drechsler wurde am 16. Januar 1921 in Würzburg geboren. Er verbrachte seine ersten Lebensjahre inmitten der Stadt, wo seine Familie am Würzburger Marktplatz wohnte. Theodor wird als aufgeschlossenes und besonders an Musik interessiertes Kind beschrieben.

Sturz auf den Marktplatz
Mit etwa 13 Jahren steigt er auf einen Korb, um die Ereignisse auf der Straße genauer zu sehen und stürzt, als dieser kippt, kopfüber aus dem Fenster. Ab da ist er verändert. Mit der Pubertät wird sein Verhalten in der Familie schwieriger. Im Alter von 16 Jahren wurde Theodor aus seinem familiären Umfeld gerissen.
Einweisung in die Anstalten
Am 21. Mai 1937 erfolgte seine Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung. Nach Aufenthalten in staatlichen Heimen überführte man ihn schließlich in die Heilanstalt Reichenbach in der Oberpfalz.
Ermordung in Hartheim
Im Sommer 1941 erreichte die bürokratisch organisierte Vernichtungswelle der „Aktion T4“ die Anstalt Reichenbach. Am 27. Juni 1941 wurde der gerade einmal 20-jährige Theodor Drechsler im Rahmen des sogenannten „Transports Nummer 4“ in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim nahe Linz (Österreich) deportiert.
Historische Dokumente belegen, dass die aus den Sammelanstalten eintreffenden Patienten unmittelbar nach ihrer Ankunft in die als Duschräume getarnten Gaskammern getrieben wurden. Theodor Drechsler wurde vermutlich noch am selben Tag, dem 27. Juni 1941, in Schloss Hartheim ermordet.
Die Tötungsanstalt Hartheim
Das unweit von Linz (Österreich) gelegene Schloss Hartheim gilt als einer der dunkelsten Orte der NS-Krankenmorde. Zwischen Mai 1940 und Dezember 1944 bauten die Nationalsozialisten das Renaissance-Schloss in eine hocheffiziente Tötungsanstalt um.
Es wurde zu einer der insgesamt sechs zentralen Vernichtungsstätten der sogenannten „Aktion T4“ – dem systematischen Massenmord an Menschen mit geistigen, psychischen oder körperlichen Behinderungen.
Foto: Liberaler Humanist, CC BY-SA 3.0
Fabrikmäßiger Mord im Schloss – Die Gaskammer
Die Tötungsmaschinerie im Schloss war von bürokratischer Kälte geprägt. Im Erdgeschoss des Schlosses wurden eine als Duschraum getarnte Gaskammer sowie ein Krematorium mit zwei Verbrennungsöfen installiert. Die Opfer – darunter auch die Würzburger Jugendlichen Josef Neller und Georg König – wurden in grauen Bussen angeliefert und meist noch am selben Tag mit Kohlenmonoxidgas ermordet.
Aktion 14f13
Nach dem offiziellen Stopp der „Aktion T4“ im August 1941 töteten die Mediziner und das Pflegepersonal in Hartheim im Rahmen der „Aktion 14f13“ weiter. Nun wurden auch tausende kranke oder arbeitsunfähige Häftlinge aus den Konzentrationslagern Mauthausen, Gusen und Dachau dorthin transportiert und vergast.
Insgesamt fielen dem NS-Regime in Schloss Hartheim rund 30.000 Menschen zum Opfer.
Heute ist das Schloss eine offizielle Lern- und Gedenkstätte, die an den organisierten Mord erinnert und den Opfern ih
Aktion T4
Die Aktion T4 war das zentral organisierte NS-Programm zur Ermordung von psychisch kranken und behinderten Menschen. In der Innenstadt finden sich viele Stolpersteine, auf der der Vermerk steht: getötet in der Aktion T4.
Werner Heyde war einer ihrer Haupttäter und handelte zugleich als Würzburger Universitätspsychiater, wodurch die Stadt unmittelbar in diese Verbrechen verstrickt war.
Was war die Aktion T4?
Unter dem Decknamen „Aktion T4“ organisierten die Nationalsozialisten ab 1939/40 die systematische Tötung von Patientinnen und Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten, die als „unheilbar krank“ oder „lebensunwert“ stigmatisiert wurden.
Die Zentrale befand sich in der Berliner Tiergartenstraße 4 (daher wurde die Aktion auch mit T4 abgekürzt), von wo aus Meldebögen ausgewertet, Transportlisten erstellt und sechs Tötungsanstalten mit Gaskammern betrieben wurden (u.a. Grafeneck, Hadamar, Hartheim).
Die Anstalten mussten für ihre Patienten detaillierte Meldebögen ausfüllen; ausgewählte Personen wurden in Zwischen- oder direkt in Tötungsanstalten gebracht und dort mit Kohlenmonoxid vergast und anschließend verbrannt.
Bis zum formellen Stopp der zentralen Aktion T4 im August 1941 fielen allein diesem Teilprogramm etwa 70.000 Menschen zum Opfer, insgesamt kamen im Rahmen der NS-„Euthanasie“ rund 250.000 Menschen ums Leben.
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