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Das Rassenpolitische Amt der NSDAP

Das Rassenpolitische Amt der NSDAP (RPA) war ein Parteiamt der NSDAP und befand sich bis 1938 in der Ludwigstraße 8, dann in der Klinikstraße 6.

Hier arbeite auch Werner Heyde, eine Schlüsselfigur der „Aktion-T4“, der massenhaften und systematischen Tötung psychisch kranker und geistig behinderter Menschen. Er trug Verantwortung für die Auswahl der Opfer, die Organisation der Transporte und die medizinische Tarnung der Morde sowie für die Schulung von Ärzten, die später in Tötungsanstalten und Konzentrationslagern eingesetzt wurden.

Aufgaben des Rassenpolitische Amts der NSDAP

Das Rassenpolitische Amt der NSDAP war die zentrale Schaltstelle für die rassenideologische Propaganda und Schulung im Nationalsozialismus.

Das RPA war keine exekutive Verfolgungsbehörde wie die Gestapo, sondern funktionierte als ideologischer Taktgeber mit folgenden Kernaufgaben:

Massenpropaganda und „Gleichschaltung“

Das Amt verbreitete die NS-Rassenhygiene in der breiten Bevölkerung. Es produzierte Zeitschriften, rassistische Wandkalender, Lehrfilme und Broschüren, um Vorurteile gegen jüdische Menschen, Sinti und Roma, sowie gegen Menschen mit Behinderungen systematisch zu schüren.

Vorbereitung der Krankenmorde

Die Propaganda des RPA diffamierte chronisch Kranke und Menschen mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen gezielt als „Ballastexistenzen“ und wirtschaftliche Belastung für die „Volksgemeinschaft“. Damit schuf das Amt das psychologische Fundament und die gesellschaftliche Akzeptanz für die späteren Zwangssterilisationen und die systematischen Massenmorde der „Aktion T4“.

Schulung der Eliten

Über ein dichtes Netz von Gau- und Kreisämtern organisierte das RPA tausende Vorträge und Pflichtkurse für Lehrer, Ärzte, Beamte und NSDAP-Funktionäre, um das rassistische Weltbild tief in allen staatlichen Strukturen zu verankern.

Das Rassenpolitische Amt in Würzburg

In Würzburg wirkte das Rassenpolitische Amt in enger Zusammenarbeit mit dem 1939 bzw. 1940 neu geschaffenen Rassenbiologischen Institut der Universität Würzburg. Dabei ging es um propagandistische Aufgaben und die Erfassung der Bevölkerung, z.B. durch den Ahnenpass.

Kreisamtsleiter des Rassenpolitischen Amtes war ab 1935 Dr. Werner Heyde, wo er zuvor schon von Oktober 1934 bis Mai 1936 führender Mitarbeiter war.

Werner Heyde – Medizinischer Hauptorganisator des T4-Massenmords

Während Stolpersteine an die Opfer der NS-Krankenmorde erinnern, steht der Name Prof. Dr. Werner Heyde für einen der Haupttäter. Als hochrangiger SS-Oberführer, Psychiater und Professor war er die medizinische Schlüsselfigur bei der Planung und Durchführung der „Aktion T4“.

Historische Darstellungen und die vorbereitete Anklageschrift gegen ihn beziffern seine Mitverantwortung auf mindestens 70.000 bis über 100.000 Mordfälle im Rahmen der Krankenmorde.

Das Bild zeigt zwei Fotos von Heyde

Werner Heyde vor und nach seiner Tarnung als Dr. Sawade

Würzburg als berufliches Zentrum

Würzburg war für Heyde über viele Jahre hinweg das private und berufliche Zentrum, von dem aus er seine Karriere im NS-Regime massiv vorantrieb.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er 1935 Kreisamtsleiter des Rassenpolitischen Amtes in Würzburg. Parallel dazu fällte er als Beisitzer am Würzburger Erbgesundheitsgericht Urteile über rassenideologische Zwangssterilisationen.

Im Jahr 1939 stieg er zum außerordentlichen Professor auf. Von 1940 bis 1945 besetzte er schließlich den Lehrstuhl für Psychiatrie und Neurologie und war Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Würzburg. In dieser Funktion leitete er zeitweise auch eine SS-Lazarettabteilung direkt in der Würzburger Klinik.

Heydes Verflechtung in die „Aktion T4“

Heyde war kein Schreibtischtäter, der nur Befehle ausführte – er gestaltete die systematische Vernichtung maßgeblich mit. Im Jahr 1940 übernahm Heyde die Leitung der medizinischen Abteilung der T4-Zentrale in Berlin (Sitz in der Tiergartenstraße 4). Damit war er der oberste medizinische Organisator der Krankenmorde.

Obergutachter über Leben und Tod

Heyde fungierte als erster T4-Obergutachter. Er trug die Verantwortung für das System der Meldebögen, mit denen Patienten in Heil- und Pflegeanstalten erfasst wurden. Heyde sichtete diese Bögen im Akkord und entschied mit einem einfachen roten Kreuz auf dem Papier über die Deportation in die Gaskammern.

Er zeichnete somit direkt für den Tod von mindestens 100.000 Menschen verantwortlich – darunter auch die Würzburger Jugendlichen Josef Neller, Georg König und Theodor Drechsler.

In der „Aktion 14f13“ unterstützte er schließlich auch die Auswertung T4-Tötungsprogramm auf die Konzentrationslager. Er stellte die Ärztekommissionen zusammen, die in den KZ (wie Dachau oder Mauthausen) kranke und arbeitsunfähige Häftlinge selektierten, um sie in den T4-Gaskammern ermorden zu lassen.

Lokale Verflechtungen in Würzburg

Die Verbindung von Heydes Funktion als T4-Leiter mit seiner Stellung als Direktor der Nervenklinik in Würzburg machte die Stadt zu einem zentralen Wirkungsort der NS-„Euthanasie“. In Würzburger Kliniken wurden nicht nur Meldebögen erstellt und Begutachtungen vorgenommen, sondern auch Zwangssterilisationen durchgeführt: Allein in der Frauenklinik wurden bis 1945 fast 1.000 Frauen und Mädchen wegen psychischer Erkrankungen, Behinderung oder aus rassenideologischen Gründen zwangssterilisiert.

Die Nervenklinik war zudem in die NS-Rassen- und Vernichtungspolitik eingebunden, etwa durch forensisch-psychiatrische Gutachten für die SS (z.B. für Theodor Eicke) und durch die Einrichtung einer Außenstelle des KZ-Flossenbürg in der Klinik ab 1943.

Nachkriegszeit und die „Affäre Heyde-Sawade“

Das Schicksal Heydes nach 1945 entwickelte sich zu einem der größten Justiz- und Medizinskandale der frühen Bundesrepublik.

Nach dem Krieg wurde Heyde von den Amerikanern zunächst gefangengenommen. Es gelang ihm aber zu flüchten, in dem er auf einem Transport von Nürnberg nach Frankfurt bei der Durchfahrt durch Würzburg von einem LKW sprang.

Er tauchte in Schleswig-Holstein unter und nahm den Falschnamen „Dr. Fritz Sawade“ an. Obwohl in der medizinischen und juristischen Fachwelt im Norden rasch bekannt war, wer sich hinter „Dr. Sawade“ verbarg, schwiegen Kollegen, Richter und Behörden jahrelang. Heyde arbeitete unbeschadet als vielbeschäftigter neurologischer Gutachter für Gerichte und Behörden.

Erst im Jahr 1959 flog die Identität nach einer Anzeige endgültig auf, und Heyde wurde festgenommen. Der Frankfurter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer bereitete eine umfassende Anklage wegen Massenmordes vor. Doch zu einem Urteil kam es nicht mehr: Nur fünf Tage vor dem geplanten Prozessbeginn im Februar 1964 erhängte sich Werner Heyde in seiner Gefängniszelle im Zuchthaus Butzbach.

Aktion T4

Die Aktion T4 war das zentral organisierte NS-Programm zur Ermordung von psychisch kranken und behinderten Menschen. In der Innenstadt finden sich viele Stolpersteine, auf der der Vermerk steht: getötet in der Aktion T4.

Was war die Aktion T4?

Unter dem Decknamen „Aktion T4“ organisierten die Nationalsozialisten ab 1939/40 die systematische Tötung von Patientinnen und Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten, die als „unheilbar krank“ oder „lebensunwert“ stigmatisiert wurden.

Die Zentrale befand sich in der Berliner Tiergartenstraße 4 (daher wurde die Aktion auch mit T4 abgekürzt), von wo aus Meldebögen ausgewertet, Transportlisten erstellt und sechs Tötungsanstalten mit Gaskammern betrieben wurden (u.a. Grafeneck, Hadamar, Hartheim).

Die Anstalten mussten für ihre Patienten detaillierte Meldebögen ausfüllen; ausgewählte Personen wurden in Zwischen- oder direkt in Tötungsanstalten gebracht und dort mit Kohlenmonoxid vergast und anschließend verbrannt.

Bis zum formellen Stopp der zentralen Aktion T4 im August 1941 fielen allein diesem Teilprogramm etwa 70.000 Menschen zum Opfer, insgesamt kamen im Rahmen der NS-„Euthanasie“ rund 250.000 Menschen ums Leben.

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