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Stolperstein Ludwig Regensteiner

Ludwig Regensteiner

Ludwig Regensteiner lebte zusammen mit seiner Ehefrau Bella im Herzen der Würzburger Altstadt.

Mit dem Amtsantritt der Nationalsozialisten im Jahr 1933 und der Radikalisierung durch lokale Parteifunktionäre wie Kreisleiter Xaver Knaup geriet auch das Leben der Familie Regensteiner in Würzburg zunehmend unter massiven Druck, der von wirtschaftlicher Isolation bis hin zu offener Gewalt reichte.

Die Verfolgung Ludwig Regensteiners durch die Gestapo ist gut dokumentiert. Sie zeigt beispielhaft die stufenweise Eskalation der antisemitschen Maßnahmen und Gewalt gegenüber jüdischen Menschen in Würzburg und im Deutschen Reich.

Verrat durch Nachbarn

Bereits im April 1933, etwa ein Jahr nach dem Umzug an den Dominikanerplatz 1, wurde Regensteiner von einer nationalsozialistisch gesinnten Nachbarin denunziert. Die Frau gab der Gestapo gegenüber an, er habe im Juli 1932 auf ihren Hitlergruß mit einer harschen Beleidigung gegen den Parteiführer geantwortet und ihr zugerufen: „Was gehört [sic] mich der Hitler an.“ Bei der anschließenden Vernehmung glaubten die Beamten dem Verhafteten, als dieser aussagte, die Schimpfworte wären in Richtung der Dame und explizit nicht gegen den Reichskanzler gerichtet gewesen.

Vernehmungsprotokoll

In den folgenden Jahren hielt sich Ludwig mit kritischen Bemerkungen zurück.

Novemberpogrome und Verhaftung

Während der Novemberpogrome am 9. und 10. November 1938 wurde das Ehepaar Regensteiner direktes Opfer des organisierten Terrors in Würzburg. Die Wohnung der Regensteiners am Dominikanerplatz wurde vom Mob verwüstet.

Regensteiner selbst wurde wie sehr viele jüdische Männer infolge des Novemberpogroms 1938 gefangen genommen. Dazu wird er von der Gestapo wie ein Verbrecher fotografiert.

Gestapo-Fotos von Regensteiner

Zunächst kam Ludwig für einige Tage in das Würzburger Gefängnis, in das ihn seine herzkranke Frau Bella freiwillig begleitete, um bei ihrem Mann bleiben zu können.

„Schutzhaft“ im Konzentrationslager Dachau

Am 16. November verlegte man den parteilosen Pensionär jedoch für vier Tage in das Konzentrationslager Dachau, wohin ihm Bella nicht nachfolgen durfte. Sie muss bei der Gestapo die ihm abgenommenen Gegenstände abholen.

Drängen zur Auswanderung

Nach der Entlassung wurde Regensteiner erneut von der Gestapo vorgeladen. Am 22. November 1938 fragte der verhörende Beamte provokativ, warum Ludwig Regensteiner und seine Frau bisher nicht emigriert seien, man habe die Juden doch wiederholt gewarnt. Regensteiner musste sich verpflichten, die Emigration bald anzugehen und mit der Rentenkasse abzustimmen.

Zwangsarbeit und Enteignung

In den letzten drei Würzburger Jahren wurde der nervenkranke Ludwig Regensteiner nach einer ärztlichen Untersuchung, die ihn für arbeitsfähig befand, zur Zwangsarbeit verpflichtet. Er und seine Frau mussten ihre Wohnung verlassen und in Sammelquartieren wohnen, zuletzt in der Bibrastraße 6. 

Akteneintrag über den Einsatz zur Zwangsarbeit

Deportation

Am 25. April 1942 wurde das Ehepaar von der Würzburger Gestapo im Zuge der dritten großen Deportationswelle aus der Stadt verschleppt und in das Durchgangsghetto Krasniczyn im besetzten Polen transportiert. Die Akte Regensteiner wird mit dem Deportationsbogen damit geschlossen.

Ermordung

Kurze Zeit nach ihrer Ankunft in Polen wurden Ludwig Regensteiner und seine Frau entweder direkt in Krasniczyn oder in einem der umlieggenden Vernichtungslager des NS-Regimes ermordet.

An Ludwig Regensteiner erinnert heute ein Stolperstein an seinem Wohnort am Dominikanerplatz 1.

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