Widerstand einer jugendlichen Tagebuchschreiberin
Burkarduskirche – Geheimer Treffpunkt des Widerstands
Ein geheimer Treffpunkt in St. Burkard
Ein wichtiger geheimer Treffpunkt der katholischen Widerstandsgruppe „Aktion Grün“ befand sich im Burkarder Kirche in Würzburg.
Nachdem Pfarrer Joseph Heeger von St. Burkard den Kapitelsaal rechts des Chores zur Verfügung gestellt hatte, fanden dort von 1941 bis Kriegsende unter dem Decknamen „Bauern-Stunde“ verbotene Zusammenkünfte statt, an denen jeweils bis zu 70 Jugendliche teilnahmen.

„Aktion Grün“ – Katholische Jugend im Widerstand
Nach 1933 versuchten die Nationalsozialisten, auch die Jugend immer stärker ihrer Kontrolle zu unterwerfen. Eigenständige katholische Jugendverbände wurden eingeschränkt und schließlich verboten. In Würzburg fanden sich jedoch junge Katholiken zusammen, die ihre Überzeugungen und ihre Unabhängigkeit nicht aufgeben wollten. Zu den prägenden Persönlichkeiten dieses Widerstands gehörten Oskar Neisinger, Ludwig Altenhöfer und Kaplan Fritz Bauer.
Ihr Widerstand entstand aus dem katholischen Glauben, richtete sich aber zunehmend gegen die nationalsozialistische Diktatur insgesamt. Oskar Neisinger erinnerte sich später, dass die Gruppe schließlich beschloss, mit Flugblättern öffentlich Stellung zu beziehen – gegen den Krieg, gegen die Verfolgung der Kirchen und gegen die Judenverfolgung.
Das Bild zeigt ein Treffen der illegalen katholischen Jugendgruppe an einem Sonntag am Waldrand
Erinnerungen als Quellen
Dabei muss man beachten, dass ein wichtiger Teil unseres Wissens aus den späteren Erinnerungen der Beteiligten stammt. Oskar Neisinger schildert in seinem 1982 erschienenen Buch „Flugblätter“ seine persönlichen Erlebnisse im Widerstand.
Ludwig Altenhöfer veröffentlichte 1955 das Buch Aktion Grün – Ein Buch vom Widerstand der Jugend gegen die Diktatur. Er selbst erklärt darin, dass die geschilderten Szenen auf wirklichen Ereignissen beruhen, Personen jedoch teilweise erfunden und Ereignisse für die Erzählung zeitlich und örtlich zusammengeführt wurden. Das Buch ist deshalb eine wichtige Erinnerungsquelle, aber kein wortgetreues Protokoll der Ereignisse.
Oskar Neisinger – vom Beobachter zum Widerstandskämpfer
Für Oskar Neisinger, der 1941 etwa 22 Jahre alt war, waren die Verbrechen der Nationalsozialisten keine abstrakten Nachrichten. In seinen Erinnerungen beschreibt er, wie er vom Zeichensaal seines Würzburger Gymnasiums aus jüdische Bürger beobachtete, die mit Koffern und Rucksäcken zum Güterbahnhof geführt wurden. Hinter ihnen fuhr ein Wagen mit SS-Männern.
Neisinger schreibt rückblickend, man habe wissen können, was in Deutschland geschah. In seiner Familie wurde Hitler abgelehnt; sein Vater verweigerte nach Neisingers Darstellung während der gesamten NS-Zeit den Hitlergruß. Die Familie wusste von Dachau und Sachsenhausen, von der Verfolgung der Juden und von der Kirchenfeindlichkeit des Regimes.
Diese Erfahrungen wurden für Neisinger zu einem entscheidenden Motiv des Widerstands. Später formulierte er:
„Der Zorn über all das war eine wesentliche Triebkraft für unsere Versuche.“
Der Widerstand der Gruppe sollte deshalb nicht allein die katholische Kirche schützen. Ihre Flugblätter sollten sich ausdrücklich gegen Krieg, Kirchenverfolgung und Judenvernichtung richten.
„Wir beschlossen Flugblätter zu verbreiten“
Irgendwann, erinnert sich Neisinger, genügte es den jungen Katholiken nicht mehr, sich nur innerhalb ihrer illegalen Gruppen gegenseitig zu bestärken. Sie wollten ihren Protest nach außen tragen.
Die Entscheidung fiel auf Flugblätter.
Das war außerordentlich gefährlich. Schon die Herstellung eines regimekritischen Textes konnte zur Verhaftung durch die Gestapo führen. Deshalb entwickelte die Gruppe strenge Sicherheitsregeln. Nur ein kleiner Kreis durfte eingeweiht werden. Verschwiegenheit war oberstes Gebot. Jede Aktion sollte genau geplant und abgesichert werden.
Neisinger betont, dass es ihnen nicht um eine spektakuläre Heldentat ging. Einen „begeisterten Selbstmord“, wie er es später nannte, lehnten sie ab. Ihr Ziel war es, Widerstand zu leisten und gleichzeitig der Gestapo möglichst keinen Zugriff auf die Gruppe zu ermöglichen.
Eine Schreibmaschine nur für den Widerstand
Schon die Herstellung der Flugblätter wurde konspirativ organisiert. Ein Freund aus dem kirchlichen Ordinariat beschaffte der Gruppe eine fabrikneue Schreibmaschine. Das war wichtig: An individuellen Merkmalen eines Schriftbildes hätte die Gestapo möglicherweise erkennen können, auf welcher Maschine eine Matrize geschrieben worden war. Die Maschine wurde deshalb ausschließlich für die Flugblätter benutzt.
Auch die benutzten Matrizen durften keine Spuren hinterlassen. Nachdem sie ihren Zweck erfüllt hatten, wurden sie vernichtet. Neisinger schildert, dass eine solche Matrize nach Gebrauch sogar an einer langen Leine in einem Abflusskanal des elterlichen Kellers aufgehängt wurde, damit sie durch Feuchtigkeit und Abwasser unbrauchbar wurde.
Widerstand bestand damit nicht nur aus Mut. Er erforderte Planung, Tarnung und große Vorsicht.
Nach Mitternacht beginnt die Aktion
Besonders eindrucksvoll ist Neisingers Beschreibung der nächtlichen Verteilung. Die jungen Männer warteten auf Nächte ohne Vollmond. Nach Mitternacht fuhren sie mit Fahrrädern durch die Dörfer rund um Würzburg.
Einer fuhr etwa hundert Meter voraus und sicherte die Strecke. Ein anderer warf Flugblätter in Höfe, Hauseingänge und auf die Straße. Ludwig Altenhöfer konnte wegen einer schweren körperlichen Behinderung nicht Fahrrad fahren und war deshalb nach Neisingers Bericht allein mit einem dreirädrigen Fahrzeug mit Sachsmotor unterwegs.
Nach der Aktion wurden sogar die Fahrräder sorgfältig gereinigt. Staub und Schmutz von den Landstraßen sollten später nicht verraten können, wo die Gruppe unterwegs gewesen war.
Flugblätter auf Taxis, Parkbänken und in Briefkästen
Die Gruppe beschränkte sich nicht auf Würzburg. Neisinger berichtet von Fahrten mit überfüllten Zügen unter anderem nach München und Frankfurt.
Dort verteilten die jungen Leute ihre Flugblätter möglichst unauffällig: Sie legten sie auf die Dächer von Taxis, warfen sie in Hausbriefkästen, ließen sie auf Parkbänken zurück oder versteckten sie in den dunklen Fluren von Gaststätten.
Danach mussten die Beteiligten ihre auffälligsten Spuren beseitigen: Ein leerer Rucksack bedeutete, dass die Aktion beendet war. Dann ging es zum Bahnhof und zurück nach Würzburg.
Neisinger verschweigt nicht die Angst. Vor jeder Aktion mussten sich die Beteiligten erneut entscheiden, ob sie das Risiko eingehen wollten. Auch Wochen später habe die Furcht vor den möglichen Folgen angehalten.
Kleine Mittel – aber die Gestapo wurde aufmerksam
Den jungen Widerstandskämpfern war bewusst, dass ihre Möglichkeiten begrenzt waren. Mit einigen tausend Flugblättern ließ sich eine Diktatur nicht stürzen.
Doch darum ging es ihnen zunächst auch nicht. Entscheidend war, dass Menschen erfuhren: Es gibt Widerspruch. Nicht alle Deutschen akzeptieren das Unrecht schweigend.
Neisinger erinnerte sich später, dass es ihnen bereits viel bedeutete, wenn einige Menschen auf ihren Protest aufmerksam wurden. Tatsächlich blieb die Wirkung nicht völlig unbemerkt. Texte aus ihren Flugblättern tauchten nach seinen Angaben in Berichten des Sicherheitsdienstes und in Meldungen an das Reichssicherheitshauptamt auf. Die Flugblätter hätten „Unruhe und Aufsehen“ verursacht.
Damit hatten einige junge Menschen mit Schreibmaschine, Matrizen und Fahrrädern zumindest eines erreicht: Die nationalsozialistischen Behörden mussten sich mit ihrem Protest beschäftigen.
„Wir lassen uns das Kreuz nicht rauben!“
Wie offensiv solche Texte formuliert sein konnten, zeigt ein in Aktion Grün wiedergegebenes Flugblatt. Es beginnt mit der direkten Anrede: „Katholiken! Christen!“
Das Flugblatt ruft dazu auf, sich gegen die Entfernung von Kreuzen aus Schulen zu wehren. Sein Schluss ist unmissverständlich: „Wir lassen uns das Kreuz nicht rauben!“
Solche Aussagen zeigen, wo der katholische Widerstand seinen Ausgangspunkt hatte. Die Jugendlichen verteidigten ihren Glauben und die Eigenständigkeit ihrer Kirche gegen den totalen Herrschaftsanspruch des Nationalsozialismus. Bei Neisinger wird zugleich deutlich, dass sich ihre Kritik darüber hinaus gegen Krieg und die Verfolgung der jüdischen Menschen richtete.
Ein Flugblatt entsteht im Kinderzimmer
Ludwig Altenhöfer beschreibt, wie gefährlich schon die Herstellung des ersten Flugblatts war. Es wurde in seinem eigenen Zimmer vervielfältigt. Vor dem Haus hielt jemand Wache, damit die Gruppe nicht überrascht wurde.
Dann geschah etwas Ungeplantes: Altenhöfers Vater kam herein und sah, was die Jugendlichen taten. Er las den Text, wurde blass und ging wortlos wieder hinaus.
Er verriet sie nicht.
Altenhöfer erinnerte sich später auch an seine Mutter. Sie habe manche Nacht schlaflos auf ihren Sohn gewartet und den Rosenkranz gebetet. Die Episode macht deutlich, dass Widerstand nicht nur die unmittelbar Beteiligten gefährdete. Auch ihre Familien lebten mit der Angst vor Gestapo, Gefängnis und Konzentrationslager.
„Wir lieben Hitler nicht“ – Widerstand im Klassenzimmer
Nicht jede Form der Verweigerung benötigte Flugblätter oder geheime Treffen. Manchmal genügte ein Satz.
Altenhöfer berichtet von einer Deutsch-Schulaufgabe in seiner Abiturklasse. Das Thema lautete:
„Warum liebe ich den Führer Adolf Hitler.“
Ludwig hob die Hand und erklärte, dass er dieses Thema nicht bearbeiten könne. Zwei Mitschüler schlossen sich ihm an. Auf die Frage nach dem Grund antworteten die drei:
„Wir lieben Hitler nicht.“
Der Lehrer drohte zunächst mit der Note Sechs, gab ihnen schließlich jedoch ein anderes Thema. Für Schüler einer Diktatur war eine solche offene Verweigerung keineswegs selbstverständlich.
„Grün!“ – das geheime Kennwort
Auch die Treffen der Gruppe mussten verborgen bleiben. Aktion Grün schildert eine Zusammenkunft in einem Dachgeschoss in der Thalerstraße 1. Die jungen Männer kamen einzeln. Vor der nur einen Spalt geöffneten Haustür flüsterten sie:
„Grün!“
Aus dem Haus kam dieselbe Antwort:
„Grün!“
Erst dann wurde die Tür geöffnet.
Oben saßen die jungen Männer bei Kerzenlicht zusammen. Dort wurden Flugblätter verteilt und die nächsten Schritte besprochen. Jeder wusste, was eine Entdeckung bedeuten konnte.
Vor einer besonders gefährlichen Aktion wird den Beteiligten in Altenhöfers Darstellung gesagt:
„Wer erwischt wird, ist verloren. Diesmal geht es um Leben und Tod.“
Das literarisch gestaltete Aktion Grün beruht auf tatsächlichen Vorgängen, Altenhöfer hat jedoch Personen verändert und Ereignisse für seine Erzählung zusammengeführt. Die Szenen sollten deshalb nicht wie wortgetreue Protokolle gelesen werden.
Münsterschwarzach – aus Flugblättern wird öffentlicher Protest
Im Frühjahr 1941 beschlagnahmten die Nationalsozialisten das Benediktinerkloster Münsterschwarzach und vertrieben die Mönche mit ihrem Abt. Für viele katholische Jugendliche der Region war das ein sichtbarer Angriff auf ihre Kirche.
Die Widerstandsgruppe reagierte. In einer nächtlichen Aktion wurden Flugblätter verteilt, die zu einer Protestkundgebung aufriefen.
Am Sonntag, dem 11. Mai 1941, kamen daraufhin zahlreiche Menschen vor der verschlossenen Klosterkirche zusammen. Die Aktion war geplant: Innerhalb der Menge befanden sich Personen, die Gebete und Lesungen anstimmten. Vor dem Kirchenportal stand ein Kordon aus Gendarmen.
Damit war aus der heimlichen Verteilung von Papier ein öffentlicher Protest geworden.
Selbst die Behörden registrierten die Unruhe
Wie groß die Wirkung der Schließung von Münsterschwarzach war, zeigt ein amtlicher Bericht des Regierungspräsidenten an das Bayerische Staatsministerium des Innern vom Mai 1941.
Darin wird festgehalten, dass die Klosterschließung auch in benachbarten Landkreisen „ungeheure Erregung“ hervorgerufen habe. Die allgemeine Stimmung sei dadurch ernsthaft gefährdet worden. Sogar von Drohungen mit Arbeitsniederlegungen in der Landbevölkerung wird berichtet.
Für die Widerstandsgruppe war dies ein seltenes Erlebnis: Eine ihrer Flugblattaktionen hatte zu einer unmittelbar sichtbaren Reaktion geführt.
Vier Verhaftungen – und eine schwierige Entscheidung
Der Widerstand blieb nicht ohne Folgen. Nach einer weiteren Flugblattaktion geschah genau das, was die Gruppe immer befürchtet hatte: Ein Flugblatt wurde bei einer Busfahrt vom Wind direkt vor die Füße einer Gruppe von Gestapobeamten geweht. Es folgten Verhaftungen.
Vier Personen kamen in Untersuchungshaft. Sie kannten Mitglieder der Gruppe und wussten über deren Aktionen Bescheid. Die anderen standen nun vor einer schweren Entscheidung. Sollte die Gestapo die Gefangenen in ein Konzentrationslager bringen oder sie verurteilen lassen, wollten sich Mitglieder der Gruppe nach Neisingers Erinnerung selbst stellen.
Dazu kam es nicht. Die Gefangenen verrieten ihre Mitstreiter trotz der Verhöre nicht und wurden schließlich wieder freigelassen.
Wenn die Gestapo zugreift
Aktion Grün schildert auch Verhaftung, Verhör und Gefängnis. In einer literarisch gestalteten Szene wird das Gruppenmitglied „Hugo“ von Gestapobeamten durchsucht. Sie finden einen Rosenkranzring und behandeln ihn während des Verhörs wie eine verbotene Waffe. Der Gefangene wird geschlagen und schließlich abgeführt.
Seine sarkastische Reaktion lautet:
„Daß der Rosenkranz eine Waffe ist, wußte ich bisher auch noch nicht.“
Die Szene darf nicht als wörtliches Verhörprotokoll verstanden werden. Altenhöfer machte ausdrücklich darauf aufmerksam, dass er reale Ereignisse literarisch zusammengeführt und Personen verändert hatte. Sie vermittelt aber, welche Erfahrung hinter dem Widerstand stand: Wer entdeckt wurde, konnte der Willkür der Gestapo ausgeliefert sein.
Widerstand mit Flugblättern, Fahrrädern und Mut
Die Würzburger „Aktion Grün“ besaß keine Waffen, keine militärische Organisation und keine Möglichkeit, das NS-Regime unmittelbar zu stürzen. Ihre Mittel waren unscheinbarer: Schreibmaschinen, Matrizen, Flugblätter, Fahrräder, geheime Treffpunkte, Gottesdienste und persönliche Verweigerung.
Gerade darin liegt ihre historische Bedeutung.
Die Beteiligten wussten, wie gering ihre Möglichkeiten waren. Sie wussten aber ebenso, warum sie trotzdem handelten. Neisinger formulierte es später sinngemäß so:
„Schon wenn einige Menschen bemerkten, dass es Protest gegen das Unrecht gab, war etwas erreicht.“
Die Geschichte von Oskar Neisinger, Ludwig Altenhöfer und ihren Mitstreitern zeigt deshalb eine Form des Widerstands, die für Schülerinnen und Schüler besonders nachvollziehbar ist: Es waren junge Menschen, die irgendwann entschieden, dass Zuschauen und Schweigen nicht mehr genügten.

Ludwig Altenhöfer – Widerstand mit körperlicher Behinderung
Ludwig Altenhöfer gehörte neben Oskar Neisinger zu den tragenden Personen der katholischen Jugend im Würzburger Widerstand. Er war 1941 nur 20 Jahre alt.
Eine schwere körperliche Behinderung zwang ihn auf einen Rollstuhl beziehungsweise ein dreirädriges motorisiertes Fahrzeug. Trotzdem beteiligte er sich an gefährlichen Aktionen. Neisinger erinnert sich ausdrücklich daran, dass Altenhöfer bei den nächtlichen Flugblattfahrten allein mit seinem dreirädrigen Fahrzeug unterwegs war.
Er beteiligte sich auch am Protest gegen die Schließung von Münsterschwarzach und an der Kundgebung vor dem Bischofspalais. Diese Aktivitäten führten schließlich zu seiner Festnahme durch die Gestapo und mehrtägiger Haft.
Nach dem Krieg schrieb Altenhöfer seine Erinnerungen in Aktion Grün – Ein Buch vom Widerstand der Jugend gegen die Diktatur nieder.
Oskar Neisinger – ein führender Kopf der Gruppe
Oskar Neisinger war einer der entscheidenden Organisatoren des katholischen Jugendwiderstands in der Diözese Würzburg. Sein christlich geprägtes Elternhaus und die unmittelbar beobachtete Verfolgung von Juden beeinflussten seine Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus.
Seine besondere Bedeutung lag in der Organisation: Aus einer illegal weiterbestehenden katholischen Jugendgemeinschaft entwickelte sich eine Gruppe, die bewusst öffentlich wirken wollte. Die Flugblätter wurden geplant, hergestellt, verteilt und durch Sicherheitsmaßnahmen geschützt.
Neisinger entging einer Verhaftung durch die Gestapo nur durch glückliche Umstände.
Nach dem Krieg wurde er erster Diözesanjugendführer und später stellvertretender Bundesführer des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend. 1982 veröffentlichte er seine Erinnerungen unter dem Titel „Flugblätter“.
Kaplan Fritz Bauer – der geistliche Rückhalt
Eine weitere wichtige Person war Kaplan Fritz Bauer (1913–1995), den die Jugendlichen unter dem Decknamen „Käp“ kannten.
Während der Zeit des Widerstands war er Domkaplan und geistlicher Führer der Würzburger Jugend. Oskar Neisinger erinnerte sich an ihn als einen Menschen, dessen persönliches Beispiel und geistliche Impulse für die Gemeinschaft von großer Bedeutung waren.
Damit bestand die Gruppe nicht nur aus Jugendlichen, die einzelne Protestaktionen organisierten. Hinter ihr stand ein Netzwerk aus Freundschaften, katholischer Jugendarbeit, Familien und geistlichen Unterstützern.
Weitere Informationen
- Ludwig Altenhöfer: Aktion Grün: Ein Buch vom Widerstand der Jugend gegen die Diktatur, 1995
- Oskar Neisinger: Flugblätter. Katholische Jugend im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Würzburg 1982.
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