Homosexueller Künstler aus Würzburg
Julius Hirsch – Verfolgt als Homosexueller
Julius Hirsch
Julius Hirsch lebte in der Semmelstraße 12.
Nur wenige Wochen nach der Verschärfung des Paragrafen 175 wurde der 33-jährige Würzburger am 17. Juli 1935 unter dem Vorwurf der Homosexualität verhaftet.
Aus Angst vor Folter, sozialer Stigmatisierung und der drohenden Verschleppung in ein Konzentrationslager wählte er noch am selben Tag in seiner Gefängniszelle den Freitod durch Erhängen.
Seit dem Jahr 2006 erinnert vor seinem ehemaligen Wohnhaus Semmelstrasse 12 ein Stolperstein an sein tragisches Schicksal.

Verfolgung homosexueller Männer nach § 175
Die systematische Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus basierte auf der rassenhygienischen und patriarchalen Ideologie der Nationalsozialisten, wobei das Regime in Würzburg wie im gesamten Reich mit unerbittlicher Härte gegen jede Abweichung von der heteronormativen Norm vorging.
Schwule Männer galten den Nationalsozialisten als „Volksfeinde“, da sie die Geburtenrate gefährdeten und sich der geforderten „männlichen Leistungsfähigkeit“ entzogen.
Der NS-Staat verschärfte ab 1935 den § 175 massiv, weitete den Straftatbestand aus und machte selbst Küsse oder Berührungen zwischen Männern strafbar; bis 1945 wurden rund 50.000 Menschen nach § 175 verurteilt, zwischen 10.000 und 15.000 Männer wurden in Konzentrationslager deportiert und mussten dort den „Rosa Winkel“ tragen.
Verfolgung anderer queerer Menschen
Lesbische Frauen wurden nicht systematisch über den § 175 erfasst, galten aber als „asozial“ und wurden unter Vorwänden wie „Unzucht“ überwacht und schikaniert.
Ihre Verfolgung ist noch nicht so anerkannt und erforscht, wie die der Männer.
Andere queere Menschen, die sich der binären Geschlechterzuteilung widersetzten, wie z.B. Ilse Trotzke aus Würzburg, wurden auch verfolgt und in Konzentrationslager gebracht.
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